D. v. Engelhardt, "Lehre und Forschnung in
den Naturwissenschaften und der
Medizin Italiens im Medium der Deutschen Reiseliteratur des 18.
Jahrhunderts"
Travel literature constitutes an important and in some respects unique source of the real and concrete situation of natural sciences and medical disciplines of the past. Teaching and research are central topics of general and especially scientific reports of German travellers to Italy during the 18th century.
I. Jahn, "Wer regte Caspar Friedrich Wolff
(1734-1794) zu seiner
Dissertation "Theoria generationis" (1759)"
Ausgehend von einer Studie verfügbarer archivalischer und sonstiger Quellen wird das noch nicht gelöste Problem untersucht, welche Autoren, Personen und literarischen Werke den Medizinstudenten Caspar Friedrich Wolff (1734-1794) zu seiner berühmten und klassischen Dissertation "Theoria generationis" von 1759 angeregt haben können.
K. Torsten Kanz, "Deutsch-französicher
Wissenstransfer in der zweiten
Hälfte des 18.Jahrhunderts : Das Beispiel der
medizinisch-naturwissenschaftlichen Periodika"
During the second half of the Eighteenth century (1748-1804) eighteen journals were published in Germany to promote French medicine and science. The earliest of them were pure translations of periodicals of the French Academy of Sciences ; later a type of review-journal dominated. Most of these journals existed only a few years. Their relative lack of succes lies primarily in the orientation of the scientific community towards disciplines like chemistry or physics. New journals such as the Chemische Annalen or the Journal der Physik informed the scientists more quickly about recent discoveries in their field. In France, only two comparable journals could be found to promote German medicine. Other translations were incorporated likewise into the disciplinary periodicals. Compared to the interest in the English production, the journals in France gave less attention to the scientific production of the German lands.
W. F. Kümmel, "'Wahnsining aufregend' :
Paolo Mategazzas "Physiologie
der Liebe" und das Deutschsprachige Publikum"
Die populären Bücher Paolo Mantegazzas (1831-1910) über Sexualität, insbesondere die ,,Fisiologia dell' amore" (1875), fanden außer in Italien vor allem in deutscher Übersetzung ab 1877 weite Verbreitung. Diese Rezeption, die von scharfer Ablehnung begleitet war, wird im Vergleich mit zwei anderen Büchern (J.Michelet, J.F.E.Albrecht) untersucht. Als Hauptgründe für den jahrzehntelangen Erfolg Mantegazzas beim deutschsprachigen Publikum erweisen sich einerseits die sprachliche Darstellungsform mit dem Prinzip der ,,verhüllten Wahrheit" und die ,,Unbefangenheit" des Südländers, andererseits Mantegazzas Kritik an traditionellen kirchlichen und bürgerlichen Normen und seine daraus abgeleiteten Forderungen nach einem neuen, freieren Verhältnis zur Sexualität, die nicht mehr grundsätzlich an die formale Ehe bzw. an den Fortpflanzungszweck gebunden sein sollte. Galten Mantegazzas Forderungen zunächst als anstößig, so gewannen sie später, nach 1900, im Zuge der ,,Sexualreform-Bewegung" gesteigerte Aktualität.
R. G. Mazzolini, "La maledizione di Canaan
(Genesi IX. 20-27) e gli Africani
sub-sahariani nella letteratura scientifica e eologia (1646-1733)"
Nel primo Seicento era abbastanza diffusa l'opinione che il colore della pelle degli Africani sub-sahariani fosse una conseguenza della maledizione di Noè scagliata contro Canaan. Nel 1646 Thomas Browne considerò tale opinione un errore popolare e dimostrò che Genesi IX. non consentiva tale interpretazione. Alcuni teologi e scienziati successivi, tuttavia, riproposero tale mito sostenendolo con diverse argomentazioni esegetiche e storiche.
G. H. Müller, "'Jouissance de la nature'.
Le besoin artistique et le
devoir scientifique de la description de la nature : conclusions de
Friedrich
Ratzel"
Connu comme géographe universitaire et par de grands ouvrages géographiques, Friedrich Ratzel (1844-1904) dispose de plus d'un côté plus ou moins négligé de sa vaste oeuvre: celui d'artiste et d'esthéticien de la description de la nature et du paysage. Il publie durant toute sa vie des articles de caractère méthodique et programmatique et de caractère descriptif, et reprend ces sujets dans son dernier ouvrage "Über Naturschilderung" (1904), une vraie philosophie de la description de la nature, où il prouve ce qu'il prétend dès le début: "La science ne suffit pas pour comprendre le langage de la nature. Pour beaucoup de gens, poésie et art sont des interprètes plus compréhensibles de la nature que la science."
H. J. Rheinberger, "Claude Bernard :
Experimentator, Philosoph"
Claude Bernards experimentelles Werk umfaßt ein breites Spektrum von Arbeiten, das von der Glykogensynthese in der Leber bis zur Wirkung des Pfeilgiftes Curare reicht. Abgesehen von seinen Vorlesungen an der Sorbonne und am Collège de France wurde die Introduction à l'étude de la médecine expérimentale (1865) sicherlich zu seinem einflußreichsten Buch. In ihm stellt Bernard seine Gedanken über Beobachtung und Experiment in Biologie und Medizin systematisch vor. Andererseits werfen die posthum und erst sehr viel später herausgegebenen Notizen ein frisches und auch überraschendes Licht auf das experimentelle Denken eines Wissenschaftlers 'an der Arbeit', das sich der wissenschaftstheoretischen Systematisierung hartnäckig widersetzt.
C. Riedl-Dorn, "Österreichische
naturforschende Reisende des 19.
Jahrhunderts"
Wissenschaftliche Forschungsreisen waren im 19. Jahrhundert leichter durchführbar auf Grund von verbesserten Verkehrsbedingungen, Reise-Agenturen und Fremdfinanzierungen. Es wird über eine Auswahl an österreichischen wissenschaftlichen Sammlern und Forschungsreisenden berichtet, deren Sammlungen und Aufzeichnungen im Naturhistorischen Museum in Wien aufbewahrt werden.
N. Rupke, "Reflections on the place of
biomedical history"
A bird's eye view is presented of the historiography of medicine, from the time of Erasmus' Encomium artis medicae till the present day. It is argued that the traditional purpose of medical history, defined by its origin and long-time cultivation inside the institutions of medicine, was to mediate medecine's place within society by providing genealogical ennoblement and Erasmian praise. In view of the glorious successes of medicine of the past half century or so, there no longer is a need for this service. Medical history now has the primary function of a critical evaluation of the place in society of the colossal power that is medicine. As a result, the optimal home for the medical historian has become the history departement rather than the medical faculty/school, and wherever possible a rehousing should be undertaken.
R. Schröder, "Joseph Glanvill -
Apologet der Royal Society und
Erforscher der 'Geisterwelt'"
Joseph Glanvill verdient unser Interesse nicht in erster Linie wegen
der
Originalität seiner Gedanken oder der Systematik seiner
Schriften,1
sondern als Brennpunkt und Sammelbecken aller wichtigen geistigen
Strömungen seiner Zeit und ihres Einflusses auf die Entstehung der
modernen Naturwissenschaften.2 Denn er war als Platoniker nicht nur
Anhänger von Bacon, sondern auch von Descartes er betätigte
sich
gleichzeitig als Apologet der Royal Society und entschiedener Skeptiker
als
auch als vehementer Befürworter des Hexen- und
Dämonenglaubens, er
war einerseits anglikanischer Pfarrer und andererseits Verfechter der
religiösen Toleranz.
K. Wenig, "War Rudolf Virchow ein Gegner der
Evolutionstheorie ?"
Rudolf Virchow galt lange Zeit in der Biologiegeschichtsschreibung als Gegner der Deszendenztheorie und damit als Gegner der Entwicklungslehre. Der Aufsatz belegt, daß Virchow der Darwinschen Theorie aufgeschlossen und wohlwollend gegenüber stand. Als streng empirisch arbeitender anatomischer Pathologe und Anthropologe verlangte er empirischen Nachweis, die ,,missing links" zu den rezenten Lebewesen. In den wissenschaftlichen Diskussionen um die Verfikation der Deszendenztheorie beteiligte er sich mit Beiträgen über Vererbungsvorgänge. Seine Schriften und Reden belegen seine eigene Einschätzung, daß er sich nicht als Gegner, sondern als Freund, nicht aber als Anhänger der Deszendenztheorie verstand.